Okzitanien

Okzitanien

Okzitanien aktuell

Bei einer unverbindlichen Volksbefragung in den Regionen Midi-Pyrénées und Languedoc-Roussillon von Mai bis Juni 2016 setzte sich mit großem Abstand der historische Regionsname Occitanie (Okzitanien) gegenüber 4 weiteren vorgeschlagenen Namensbezeichnungen in der wahlberechtigten Bevölkerung durch. Auf Okzitanien als gemeinsamen Regionsnamen entfielen 44,9 % aller Stimmen. Daraufhin stimmte der Regionalrat für den neuen Namen mit dem Untertitel Pyrénées-Méditérranée für die sofortige Verwendung. Formell trat der Name Okzitanien am 1. Oktober 2016 für die beiden ehemaligen und nun politisch fusionierten Regionen in Kraft.

Neue Region Okzitanien seit Oktober 2016

Historisch wie spirituell bemerkenswert gab es am 16.Oktober 2016 in der Dorfkirche zu Montségur einen feierlichen Akt. Der katholische Bischof Jean-Marc Eychenne aus dem Bistum Pamiers hielt einen Sühne-und Vergebungsgottesdienst für die grausamen Massaker und den Ketzerscheiterhaufen von Montségur im Jahre 1244. Auch wenn diese Bitte um Vergebung nur eine lokale Aktion sei, die nicht über die Bistumsgrenzen hinausgreife, stehe dieser Akt im Zusammenhang mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, betonte der Bischof gegenüber der katholischen Zeitung >La Croix<. Es ist das erstemal in der Geschichte, das sich ein offizieller katholischer Würdenträger für die brutale Gewalt und infame Verfolgung der römischen Kirche gegen die Katharische Glaubensgemeinschaft entschuldigte.

 

Okzitanien – das Reich der Liebe
Warum soll man sich als Deutscher für ein Gebiet interessieren, dass über 1000 km entfernt im tiefsten Süden Frankreichs liegt?
Da gibt es viele Gründe anzuführen. Historisch haben einige Stämme und sogar ganze Völker unserer direkten Vorfahren hier gesiedelt und ihre reichhaltige Kultur aus den nördlicheren Gefilden mitgebracht. Kelten, Westgoten und Franken fühlten sich hier heimisch, ganz zu Schweigen von den Völkerscharen, die hier bei den großen Völkerwanderungen bis nach Nordafrika hindurch zogen. Im Mittelalter waren es die Nachfahren dieser Menschen, die besondere spirituelle Dynastien begründeten, die später im Umfeld der Gralshüter wieder eine wichtige Rolle spielten. Wolfram von Eschenbach inspirierte dieser Umstand zu seinem Parzival-Epos.


1209 kam eine geballte Macht und verheerte Land, Kultur und Bevölkerung. Für 700 Jahre schien der Landstrich vergessen und aus dem Bewusstsein getilgt worden zu sein. Wiederum war es einem deutschen Gralsforscher und Schriftsteller gegeben, Okzitanien aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Seitdem pilgern unsere Landsleute zu zehntausenden jedes Jahr in dieses Reich der Liebe. Jeder auf seine Weise spürt die spirituelle, kosmische Energie, die man hier erfahren kann wenn man sich von diesem Land angesprochen und angezogen fühlt.
Bevor Okzitanien zu diesem Namen kam und durch die Epoche der Troubadoure, Templer und Katharer zu einem Reich der wahren Liebe wurde, zählte es zur römischen Provinz Septimanien. Zu anderen Zeiten wurde es auch Aquitanien zugeordnet oder während der Westgotenzeit als Mark Gothien bezeichnet. Die fränkischen Merowinger vertrieben die Westgoten aus der Hauptstadt Toulouse und drängten sie an den Rand der Pyrenäen bis nach Spanien ab, wo sie sich endgültig mit den gallisch-keltisch-iberischen Brudervölkern vermischten. Unter dem fränkischen Kaiser Karl (französisch = Charlemagne) wurde dieses Gebiet in die sechs lehnspflichtigen Grafschaften von Béziers, Carcassonne, Foix, Narbonne, Razés und Toulouse aufgeteilt. Bis in das Hochmittelalter herrschte eine besondere Dynastie, die ihre Linie zeitlich sehr weit und bis nach Nordgermanien zurück verfolgen konnte. Von Wilhelm von Gellone über die Familie Saint-Gilles führt es uns zu den Trencavel von Carcassonne. Aus der Grafenfamilie von Carcassonne bzw. dieser Dynastie tritt um die erste Jahrtausendwende Roger Bernhard hervor und bekommt die eigenständige Grafschaft Foix übereignet. Ein Nachkomme dieses Grafen erhielt ca. 100 Jahre später das alte Oppidum >Beli Cartha< (Stadt des Sternenlichtes / Mondes) aus der Grafschaft Toulouse hinzu, die wir heute als Mirepoix kennen. Diese Stadt führt noch heute Sterne in seinem Stadtwappen. In den historischen Urkunden lassen sich diese Adligen auch als Belissen-Söhne bzw. als Nachfahren von Belenus und Belisana bezeichnen. Dieses keltische Götterehepaar gehörte bei den gallischen Druiden zu den am meist verehrten Göttern. Das Gebiet dieser Feudalherren umfasste in seiner Hochblüte im 11. Jahrhundert 190.000 km². Es war kein durch Grenzen festgelegtes Staatsgebilde. Eher ein Landstrich in dem okzitanisch in einer Vielzahl von Mundarten und Dialekten wie z.B. gascognisch, katalanisch und provenzalisch gesprochen wurde. Seine große Sprachfamilie reichte südlich von der Loire abwärts bis weit in die Pyrenäen, von Toulouse bis an die Grenzen Italiens. Diese Sprache unterschied sich deutlich vom Altfranzösischen aus dem Norden des Frankenreichs, aus welchem das heute gebräuchliche Standard-Französisch entstanden ist. Okzitanisch war und ist eine sehr melodische Mischung aus Keltisch und Latein. Sie wurde die bevorzugte Sprache der Troubadoure und Minnesänger, die somit schon ganz natürlich in der Tradition der keltischen Barden standen. Insbesondere im Kernland der Katharer findet sich diese Sprache und seine Bezeichnung in der geographischen und politischen Bezeichnung der Region Languedoc (Langue d´Oc) wieder. Diese Kulturlandschaft war schon in vorgeschichtlicher Zeit ein reichhaltiges und relativ sicheres Land und eine Sammelschale verschiedenster Stämme und außergewöhnlicher Völkerscharen seit der letzten Eiszeit. Es war durch die hohen Berge und die Meere immer ein Grenzland und ein Nährboden für neue Einflüsse in Wissen, Weisheit, Kunst, Musik und Spiritualität. Einige Gruppen der atlantischen Epoche fanden während des sich bereits abzeichnenden Untergangs ihrer Hochkultur und den damit einhergehenden physischen Umwälzungen der Erde, hier ebenso einen sicheren Aufenthaltsort wieder, wie spätere Völkerwanderungen der Kelten und Germanen. Angezogen durch Handel und Bergbau kamen Phönizier, Iberer und Griechen. Die Römer und Westgoten eroberten das Land später mit ihrer Kultur. Die Westgoten und ihre Adelsfamilien sorgten dafür, das sich hier ein esoterisches Christentum etablieren konnte. Die westlichen Goten zur Frühzeit der christlichen Zeitrechnung waren freiwillig arianische Christen geworden. Ihre Druiden erkannten und akzeptierten die geistige Erneuerung und hatten kein Problem diese in ihre Weisheitslehre zu integrieren. Heiden, Arianer und die urchristlichen Gnostiker wurden aber schon im 5. Jahrhundert als lästige Konkurrenz angesehen und vom Vatikan und seiner Kurie zu Häretikern erklärt. Also wurden Menschen mit einer eigenen Anschauung dafür diskreditiert, das sie von den Auslegungen bzw. dem Glaubenskanon der römischen Amtskirche abwichen. Als die Westgoten durch die fränkischen Merowinger weiter nach Spanien vertrieben wurden hielt das athanasianische Christentum Einzug. Mit der Machtübernahme der Karolinger wurde Septimanien dem fränkischen Großreich eingegliedert. In den Franken hatte die römische Kirche einen Verbündeten gefunden, der ihr endlich Zugang nach Okzitanien verschaffte. Die okzitanischen Adligen und die Bevölkerung wussten aber ihre Autonomie und ihre geistigen Ursprünge und Traditionen gegenüber den Machtansprüchen des Vatikans und dem Frankenreich gut zu bewahren. Kulturell und familiär eng verbundene Grafschaften und die gemeinschaftlichen, wirtschaftlichen Interessen sorgten für ein relativ freies und gutes Neben-und Miteinander im mediterranen Teil Südwestfrankreichs. Man pflegte mehr Beziehungen zu den südlichen Nachbarn, wie Aragonien, Kastilien, Toledo und Barcelona. Die neidischen Herrscher im Norden, das Königreich Frankreich mit Paris im Zentrum pochte allerdings auf alte Verträge aus der Zeit der Karolinger, welche die okzitanischen Gebiete als Lehen des Königs von Frankreich vorsahen. Faktisch hatten die französischen Könige zu dieser Zeit aber keine Handhabe um sich die wohlhabenden, südlichen Gebiete tributpflichtig untertan zu machen. Die okzitanischen Grafschaften hatten sich in allen Bereichen des Lebens gegenüber den anderen europäischen Völkern und Ländern weiter voraus entwickelt. Hier wo einst Druiden vieler ihre alten Zentren und Ausbildungsstätten hatten, kam ab dem 11. Jahrhundert eine neue christlich-spirituelle Kraft hinzu, die sich als Katharismus tief und fest in der okzitanischen Gesellschaft verwurzeln konnte.

Die auserlesenen Orte Okzitaniens von A – Z

 

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Ansichtskarte über die berühmtesten Orte und Burgen in Okzitanien. Die sogenannten >Chatéaux Cathares<.